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Ausstellung „Unrechtsort. Das Polizeigefängnis in Herne 1933-1945“ eröffnet

Die Ausstellung ist vom 7. April bis zum 31. Mai im Foyer des Kulturzentrums Herne zu sehen

Am Donnerstag, dem 7. April 2022, war es soweit: Nach langem durch die Corona-Pandemie bedingtem Aufschub wurde im Kulturzentrum die Ausstellung „Unrechtsort. Das Polizeigefängnis Herne 1933-1945“ feierlich und unter großem Andrang eröffnet. Das Ziel der Ausstellung ist es, auf das Polizeigefängnis aufmerksam zu machen. Dieser authentische Ort könnte zu einem Erinnerungs- und Lernort für die lokale Spurensuche nach der NS-Zeit in Herne, für historisch-politische Bildung und demokratisches Handeln werden.

Konzipiert wurde die Ausstellung durch den Förderkreis Mahn- und Gedenkstätte Polizeigefängnis Herne e.V. unter der Leitung des Historikers Ralf Piorr. Die Ausstellung soll ein erstes Schlaglicht auf die Herner Polizei und das Polizeigefängnis im Nationalsozialismus werfen und damit einen Ausblick auf den geplanten Lern- und Gedenkort im Polizeigefängnis Herne geben. Mit mehreren Texttafeln, Kurzbiographien von Opfern und Tätern, Fotos und anderen Exponaten thematisiert die Ausstellung die Funktion der Polizei im Nationalsozialismus unter besonderer Hervorhebung der lokalen Aspekte.

Cordula Galla vom Bündnis Herne führte als Moderatorin durch den Abend. In ihren eröffnenden Worten betonte sie die Bedeutung, die der Lern- und Gedenkort Polizeigefängnis Herne für die historisch-politische Bildung vor Ort hat und unterstrich die zivilgesellschaftliche Unterstützung für die Initiative. Neben zahlreichen interessierten Hernerinnen und Hernern waren auch der Polizeipräsident von Bochum Jörg Lukat und der Leiter der Herner Schutzpolizeidirektion Jörg Horn gekommen, um an der Eröffnung teilzunehmen.

Dass die Ausstellung bereits im Vorfeld der Eröffnung auf großes öffentliches Interesse gestoßen war, betonte die Leiterin der VHS Herne, Heike Bandholz, in ihrer Rede: In den Kursen der VHS sei die Ausstellung bereits jetzt Gesprächsthema, in den Tagen vor der Eröffnung hätten bereits etliche Bürger und Bürgerinnen den Aufbau der Ausstellung aufmerksam verfolgt. Der Ort der Ausstellung im Foyer des Kulturzentrum sei also gut gewählt an der Schnittstelle von VHS, Stadtarchiv und Stadtbibliothek.

Cordula Galla vom Bündnis Herne, Foto: Norbert Arndt, DGB-Geschichtswerkstatt
Polizeipräsident Jörg Lukas, Oberbürgermeister Frank Dudda, Rolf Dymel (v.l.n.r.), Foto: Norbert Arndt, DGB-Geschichtswerkstatt

Im Anschluss sprach der Vorsitzende des Fördervereins Mahn- und Gedenkort Polizeigefängnis Herne e.V., Rolf Dymel. Er zeichnete in seiner Rede die Entwicklung der Initiative, die aus der DGB-Geschichtswerkstatt erwachsen ist, nach. Die Recherchen der Geschichtswerkstatt zu in Herne verstorbenen Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen hätten überhaupt erst das Polizeigefängnis in den Blick geraten gelassen, da in den Todesurkunden als letzte Wohnadresse häufig „Adolf-Hitler-Platz 3“ eingetragen war – die Adresse des Polizeigefängnisses. Im Herner Polizeigefängnis, so führte er weiter aus, seien Widerständler aus der Arbeiterbewegung, Oppositionelle aus den christlichen Kirchen, Juden, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma sowie Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene unter widrigsten Bedingungen inhaftiert und dort misshandelt wurden. Viele von ihnen wurden von hier aus in Straf- und Konzentrationslager gebracht. Daran zu erinnern sei eine Aufgabe für die Stadtgesellschaft. Daher freute er sich, dass nun nachdem die Corona-Pandemie die Eröffnung der Ausstellung lange verzögert hatte diese endlich stattfinden konnte. Vor diesem Hintergrund dankte er den Unterstützerinnen und Unterstützern des Fördervereins sowie dem Rat der Stadt Herne für seine politische Unterstützung, Oberbürgermeister Frank Dudda, MdL Serdar Yüksel, der sich im Petitionsausschuss des Landtages für die Initiative eingesetzt hat, der VHS Herne für die Kooperation und dem gesamten Team des Stadtarchivs Herne und des Emschertal-Museums für seine Mitarbeit bei der Vorbereitung der Ausstellung.

Frank Dudda unterstrich seine Unterstützung für die Initiative in seiner Rede. Darüberhinaus betonte er die Bedeutung des Polizeiamtsgebäudes als authentischem Ort für die historisch-politische Bildung. Er beglückwünschte die Verantwortlichen zu einer gelungenen und anschaulichen Ausstellung. Nochmals unterstrich er die Unterstützung der Stadt Herne für die Initiative zum Aufbau eines Mahn- und Gedenkortes im Polizeigefängnis Herne. Insbesondere zeigte er sich optimistisch, dass der Kauf mit dem Pianofabrikanten Jan Thürmer, der sich bereits positiv hinsichtlich der Initiative geäußert hatte, bald erfolgreich abgeschlossen werden könnte. Auch dankte er den Mitwirkenden und Unterstützerinnen und Unterstützern.

Musikalisch begleitete Christian Donovan den Abend. Seine Auftritte zwischen den Redebeiträgen untergliederten die Veranstaltung. Mit thematisch ausgewählten Liedern bezog er sich inhaltlich auf die Ausstellung und ergänzte diese. Etwa mit dem Song Prisoner 562 über Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, der als politischer Häftling im KZ die Häftlingsnummer 562 trug und schließlich an den Folgen von Misshandlungen und Folter 1938 verstarb. Und dem Lied „Die Moorsoldaten“, das bereits 1933 in einem Konzentrationslager im Emsland, in welchen bspw. auch der Herner Otto Kuhn (KPD) interniert war, von den Häftlingen geschrieben wurde. 

Christian Donovan singt Prisoner 562, Foto: Norbert Arndt, DGB-Geschichtswerkstatt

Flemming Menges, Foto: Norbert Arndt, DGB-Geschichtswerkstatt

Abschließend führte Flemming Menges mit einem Vortrag zur Geschichte der Polizei in Herne durch die Ausstellung. Er erläuterte die Konzeption der Ausstellung und einzelne Exponate. Ausgehend von den Polizeireformen der Weimarer Republik, deren baulicher Ausdruck eben auch das Polizeiamtsgebäude in Herne war, fragte er in seinem Vortrag danach, wie aus der demokratischen Polizei der Weimarer Republik ein Terrorinstrument der Nationalsozialisten werden konnte – wie sie zum „Fußvolk der Endlösung“ wurde. Er zeichnete den Radikalisierungsprozess nach, der in der Beteiligung der Ordnungspolizei am systematischen Massenmord mündete. Dabei arbeitete er anhand konkreter Beispiele und Biographien lokale Spezifika heraus. Seinen Vortrag schloss er mit einem Ausblick auf die Entnazifizierung der Polizei und die folgende justizielle Aufarbeitung.

Die Ausstellung kann noch bis zum 31. Mai Foyer des Kulturzentrums Herne besichtigt werden (Montag – Freitag: 10.00 – 18.00 Uhr; Samstag: 10.00 – 13.00 Uhr). Der Förderverein bietet auch Gruppenführungen an. Bei Interesse oder Fragen wenden Sie sich gerne an: info@erinnerungsort-herne.de

Den Flyer zur Ausstellung können Sie hier herunterladen.

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